Sinkende Zuschlagswerte: Wettbewerb setzt Windenergiebranche unter Kostendruck
18.09.2026
Hannover, 18.09.2026 – Die Zuschlagswerte für Windenergie an Land sinken weiter und liegen inzwischen teilweise sogar unter den tatsächlichen Gestehungskosten. Der ungebrochene Wettbewerb setzt die Branche damit unter erheblichen Kostendruck. So wurden auch in der jüngsten EEG-Ausschreibung bei einem ausgeschriebenen Volumen von 2.520 Megawatt erneut 461 Gebote mit insgesamt rund 5.250 Megawatt eingereicht. Bezuschlagt wurden am Ende 237 Gebote mit insgesamt 2.523 Megawatt. Der durchschnittliche mengengewichtete Zuschlagswert sank auf 4,79 Cent pro Kilowattstunde.
Niedersachsen bleibt dabei Windenergie-Spitzenreiter: Mit 81 Zuschlägen und 835,68 Megawatt entfällt erneut der größte Anteil auf das Bundesland. Der Landesverband Erneuerbare Energien Niedersachsen/Bremen e. V. (LEE Niedersachsen/Bremen) sieht in dem starken Wettbewerb unterdessen den Ausdruck einer gewissen Besorgnis innerhalb der Branche. Viele Unternehmen würden versuchen, ihre Projekte noch zum Zuschlag zu bringen, bevor die anstehende EEG-Novelle für weitere Unsicherheit am Markt sorgt. Gleichzeitig zeigen die niedrigen Gebote, dass die Projektierer bereit sind, Marktchancen zu nutzen.
Wettbewerb drückt die Kosten – Reiches Pläne könnten den Trend umkehren
Für den LEE Niedersachsen/Bremen sind die Zahlen ein Beleg dafür, dass die Branche ihren Beitrag zu einer kostengünstigen Energiewende leistet, was sich jedoch zunehmend auf die Wirtschaftlichkeit von Projekten niederschlägt. Gleichzeitig warnt der Verband davor, diesen Kostenvorteil durch die geplanten Regeln des EEG 2027 zu verspielen.
„Die Windenergiebranche beweist ihre Wettbewerbsfähigkeit, obwohl der Markt angespannt ist. Und was macht der Bund? Er plant ein Fördersystem, das genau diese marktwirtschaftliche Dynamik ausbremst. Das ist absurd. Wenn wir die Energiewende günstiger machen wollen, dürfen wir erfolgreiche Geschäftsmodelle nicht kaputtregulieren“, sagt Bärbel Heidebroek, Vorsitzende des LEE Niedersachsen/Bremen.
So kritisiert der LEE Niedersachsen/Bremen, dass bei den geplanten Differenzverträge bisher kein Marktwertkorridor vorgesehen ist, der den Betreibern einen begrenzten Spielraum für marktgerechtes Handeln lassen würde. Zwar sollen Betreiber künftig abgesichert werden, wenn der Marktwert des Stroms unter dem Zuschlagswert liegt. Steigt der Marktwert, sollen die Mehrerlöse jedoch vollständig an den Staat zurückfließen.
„Wenn jeder zusätzliche Euro Markterlös wieder abgegeben werden muss, wird niemand freiwillig ein Risiko eingehen. Dann wird in den Ausschreibungen vorsichtiger und höher geboten. Genau das treibt am Ende die Systemkosten wieder nach oben und beschneidet die Marktchancen der Unternehmen“, so Heidebroek.
Pachtpreisdeckel: unnötiger Eingriff mit Folgen
Den vom Bundeswirtschaftsministerium geplanten Pachtpreisdeckel lehnt der LEE Niedersachsen/Bremen in Gänze ab. Die stark gesunkenen Zuschlagswerte setzten bereits heute einen erheblichen wirtschaftlichen Rahmen für die Projektentwicklung. Ein zusätzlicher staatlicher Eingriff in bestehende und geplante Pachtverträge sei daher nicht erforderlich.
„Wir brauchen keine staatliche Preisaufsicht für Windflächen. Die Realität hat den Pachtpreisdeckel längst überholt: Wenn die Projekte weniger Erlöse erwirtschaften, sinkt auch der Spielraum für zu hohe Pachten. Ein Deckel schafft hingegen nur unnötig neue Bürokratie“, warnt Heidebroek. „Gleichzeitig gefährdet die geplante Regelung die Finanzierbarkeit bestehender Nutzungsverträge, da in bereits genehmigte und bezuschlagte Projekte eingegriffen wird.“
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