LEE Niedersachsen/Bremen fordert Anschlusssicherheit für grüne Gase statt neuer Investitionshemmnisse: Nachbesserungen am EnWG notwendig

LEE Niedersachsen/Bremen fordert Anschlusssicherheit für grüne Gase statt neuer Investitionshemmnisse: Nachbesserungen am EnWG notwendig

11.06.2026

Hannover, 11.06.2026 – Heute werden mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) und dem Gesetz zur Sicherung der Stromversorgung zwei zentrale energiepolitische Vorhaben erstmals im Deutschen Bundestag beraten. Beide Gesetze setzen auf den Einsatz grüner Gase und verankern entsprechende Einsatzverpflichtungen bzw. -optionen für die Zukunft.

Aus Sicht des Landesverbandes Erneuerbare Energien Niedersachsen/Bremen (LEE Niedersachsen/Bremen) ist dies grundsätzlich ein wichtiges Signal für den Hochlauf von Biomethan und Wasserstoff. Gleichzeitig warnt der Verband jedoch davor, den Ausbau der Produktion und Einspeisung grüner Gase an anderer Stelle auszubremsen.

Einsatzverpflichtungen brauchen sichere Einspeisemöglichkeiten

„Wer den Einsatz von grünen Gasen wie Biomethan und Wasserstoff gesetzlich vorschreibt, muss auch dafür sorgen, dass diese sicher und langfristig ins Gasnetz eingespeist werden kann. Alles andere wäre energiepolitisch widersprüchlich“, erklärt Cord-Heinrich Heitzhausen, Mitglied im Vorstand des LEE Niedersachsen/Bremen.

Der LEE Niedersachsen/Bremen bewertet die Vorgabe des bisherigen Gebäudeenergiegesetzes (GEG), nach der neue Heizungen zukünftig zu 65 Prozent mit Erneuerbaren Energien betrieben werden sollen, grundsätzlich als wirksameres Instrument für die Wärmewende. Diese Vorgabe soll nun jedoch nach Plänen des Bundeswirtschaftsministeriums entfallen und durch die im neuen GModG geplante Grüngasquote ersetzt werden. Diese sieht mit der sogenannten „Biotreppe” einen steigenden Anteil grüner Gase im Netz vor. Aus Sicht des Verbandes könne dieses Instrument den Markthochlauf von Biomethan und Wasserstoff maßgeblich unterstützen und werde daher aktuell ausdrücklich begrüßt. Mittel- und langfristig sei ihr Einsatz jedoch vor allem in Bereichen sinnvoll, in denen eine direkte Elektrifizierung nur schwer umzusetzen ist, beispielsweise in der Industrie, im Schwerlastverkehr oder in der stofflichen Nutzung. Gerade in der Industrie und der stofflichen Nutzung fehle es aber derzeit noch an wirksamen Instrumenten für den Hochlauf von grünen Gasen in diesen Bereichen.

EnWG darf Ausbau grüner Gase nicht blockieren

Der mit den aktuellen Plänen der Bundesregierung zu erwartende wachsende Bedarf an grünen Gasen trifft zwar auf einen gut ausgebauten Bestand von Biogaserzeugungsanlagen, jedoch verfügen diese bisher nur im begrenzten Umfang über Einspeisekapazitäten ins Gasnetz. Der Verband blickt deshalb mit Sorge auf die derzeit laufenden Verhandlungen zur Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG). Dem aktuellen Stand zufolge sollen Gasnetzbetreiber künftig die Möglichkeit erhalten, Einspeiseanschlüsse von Biomethananlagen nach Ablauf einer Frist von zehn Jahren zu kündigen.

„Eine garantierte Einspeisedauer von lediglich zehn Jahren schafft weder die notwendige Investitionssicherheit für Anlagenbetreiber noch die erforderliche Planungssicherheit für die Abnehmer des Biomethans“, so Heitzhausen. „Wer Milliardeninvestitionen in grüne Gase anregen will, darf deren Netzanbindung nicht nach wenigen Jahren infrage stellen.“

Der LEE Niedersachsen/Bremen fordert deshalb, die vorgesehene Frist deutlich auszuweiten und eine Anschlusssicherheit von mindestens 20 Jahren gesetzlich zu verankern.

Planungssicherheit bis weit nach 2045 benötigt

Aus Sicht des Verbandes zeigen insbesondere die Kraftwerksstrategie (KWS) und die geplanten Vorgaben im GModG, dass die Bundesregierung auch langfristig mit Biomethan und Wasserstoff plant. So sollen neue Gaskraftwerke perspektivisch klimaneutral betrieben werden und sind daher auf die grünen Gase angewiesen.

„Wenn der Gesetzgeber den Einsatz von grünen Gasen bis 2045 und darüber hinaus vorsieht, dann müssen diese auch eingespeist werden können. Die Bundesregierung darf nicht auf der einen Seite die Nachfrage schaffen und auf der anderen Seite die Versorgung dieser Nachfrage erschweren“, betont Heitzhausen.

Gerade Niedersachsen als Energieland Nr. 1 könnte einen erheblichen Beitrag zur Bereitstellung klimaneutraler Gase leisten. Dafür sind jedoch verlässliche politische Rahmenbedingungen statt neuer Unsicherheiten bei der Netzanbindung notwendig.

 

Pressekontakt:

Helge Gülzau
Pressesprecher
Landesverband Erneuerbare Energien Niedersachsen/Bremen e.V.
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