Windenergie an Land 2025: Niedersachsen bleibt Wachstumsmotor – Ausschreibungen werden zum Engpass
15.01.2026
Hannover, 15.01.2026 – Niedersachsen behauptet seine zentrale Rolle beim Ausbau der Windenergie an Land. Im Jahr 2025 belegt das Land sowohl bei Genehmigungen als auch beim tatsächlichen Zubau neuer Windenergieanlagen bundesweit den zweiten Platz hinter Nordrhein-Westfalen. Der Landesverband Erneuerbare Energien Niedersachsen/Bremen (LEE NDS/HB) sieht darin ein starkes Signal für die Leistungsfähigkeit der Branche, warnt jedoch zugleich vor einer drohenden Ausbremsung durch zu niedrige Ausschreibungsmengen.
Hoher Zubau und starke Genehmigungszahlen
Im Jahr 2025 wurden in Niedersachsen 209 Windenergieanlagen mit einer Leistung von insgesamt 1.156 Megawatt neu installiert. Gleichzeitig wurden 813 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 5.211 Megawatt neu genehmigt. Damit hat sich 2025 die Höhe der in Niedersachsen genehmigten Leistung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt. Mit 1.503 Megawatt zusätzlich genehmigter Leistung lag der Landkreis Emsland im vergangenen Jahr bundesweit mit Abstand an der Spitze der Genehmigungszahlen.
Auf der anderen Seite wurden 2025 landesweit 93 Windenergieanlagen mit einer Leistung von insgesamt 144 Megawatt zurückgebaut, sodass in Niedersachsen zum Jahreswechsel insgesamt 6.272 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 13.976 Megawatt am Netz gewesen sind. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einer Zunahme von rund 8 Prozent mehr Leistung bei lediglich knapp 2 Prozent mehr Windenergieanlagen.
„Die Zahlen zeigen eindrucksvoll, dass die Professionalität bei Projektierern und Genehmigungsbehörden in der Bearbeitung der Anträge gestiegen ist“, erklärt Silke Weyberg, Geschäftsführerin des LEE NDS/HB. „Zugleich verdeutlichen sie die Leistungsfähigkeit und die Effizienz der Branche als Rückgrat der deutschen Energieversorgung.“
Ausschreibungen werden zum limitierenden Faktor
In den vier Ausschreibungsrunden des Jahres 2025 erhielten in Niedersachsen insgesamt 527 Windenergieanlagen mit einer Leistung von rund 3,3 Gigawatt einen Zuschlag. Gleichzeitig waren alle vier Ausschreibungsrunden überzeichnet, es wurden also mehr Gebote eingereicht, als bezuschlagt werden konnten.
Für das Jahr 2026 sind bundesweit 10.945 Megawatt zur Ausschreibung vorgesehen. Dem stehen bereits heute rund 14.000 Megawatt genehmigte, aber noch nicht bezuschlagte Leistung gegenüber. Aus Sicht der Branche ist daher davon auszugehen, dass auch die Ausschreibungsrunden 2026 erneut deutlich überzeichnet sein werden.
„Die dynamische Entwicklung bei den Genehmigungen muss sich dringend in den Ausschreibungsvolumina widerspiegeln. Das Ausschreibungsvolumen darf nicht zum Flaschenhals werden. Allein die bisher in Niedersachsen genehmigte und noch nicht bezuschlagte Leistung könnte rechnerisch die Hälfte der für 2026 vorgesehenen bundesweiten Ausschreibungsmenge abdecken“, betont Weyberg. Der Branchenverband spricht sich daher dafür aus, kurzfristig Ausschreibungsmengen nachzuholen, die in den Jahren 2017 und 2018 infolge des Fehlstarts der Ausschreibungen verloren gegangen sind.
Systemintegration und Netzausbau rücken in den Fokus
Mit dem steigenden Ausbau der Windenergie steigen auch die Anforderungen an die beteiligten Akteure. Eine besondere Herausforderung stellen die Systemintegration der Erneuerbaren Energien und der Netzausbau dar, die zunehmend in den Fokus rücken. Dabei ist entscheidend, dass der Netzanschluss neuer Anlagen rechtzeitig und zuverlässig gewährleistet wird.
„Damit Projekte zügig realisiert und die Ausbauziele erreicht werden können, müssen wir uns von alten Denkmustern verabschieden“, so Weyberg. „Mit unserer Hannoverschen Erklärung haben wir bereits 2024 den Schulterschluss zwischen Energieerzeugern, abnehmender Wirtschaft und Netzbetreibern gesucht. Nur partnerschaftlich wird die Transformation des Energiesystems gelingen.“
Erzeugung und Verbrauch stärker zusammendenken
Aus Sicht des LEE NDS/HB kommt es künftig darauf an, Erzeugung und Verbrauch regional und systemisch enger zu verzahnen. Dabei gewinnen lokale Abnahmekonzepte, systemdienliche Power Purchase Agreements (PPAs) sowie Direktversorgungen weiter an Bedeutung.
Weitere Lösungsansätze, um Engpässe in der Netzinfrastruktur zu vermeiden, sind die Überbauung von Netzanschlusspunkten, der Ausbau von Flexibilitäten bei Abnehmern und Erzeugern, Speicher, Elektrolyseure zur Erzeugung von grünem Wasserstoff sowie die Nutzung von Stromüberschüssen zur Wärmeerzeugung.
„Die Windenergie ist längst nicht mehr nur eine Frage des Ausbaus, sondern der intelligenten Integration“, fasst Weyberg zusammen. „Wenn wir diese Herausforderungen gemeinsam angehen, kann Niedersachsen seine Vorreiterrolle auch in den kommenden Jahren weiter ausbauen.“
PDF-Download Status des Windenergieausbaus an Land in Deutschland – Gesamtjahr 2025
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