Niedrige Füllstände in Gasspeichern: Potenziale heimischen Biomethans als strategische Gasreserve nutzen

Niedrige Füllstände in Gasspeichern: Potenziale heimischen Biomethans als strategische Gasreserve nutzen

23.02.2026

Hannover, 23.02.2026 – Die anhaltenden niedrigen Temperaturen und der dadurch stark erhöhte Heizbedarf in diesem Winter haben die Füllstände der deutschen Gasspeicher deutlich schneller als üblich sinken lassen. Die öffentliche Debatte konzentriert bisher vor allem auf Importabhängigkeiten und die Frage nach einer nationalen Gasreserve. Ein entscheidender Teil der Lösung bleibt dabei oft unbeachtet: das Potenzial heimischer Biogasanlagen. Nach Einschätzung des Landesverbandes Erneuerbare Energien Niedersachsen/Bremen e. V. (LEE NDS/HB) wird die Rolle von Biomethan für eine langfristig sichere und resiliente Energieversorgung weiterhin unterschätzt und politisch ausgebremst.

„Sobald die Gasspeicher leerer werden, wird darüber diskutiert, wie Deutschland als rohstoffarmes Land seine Versorgung mit Erdgas sicherstellen kann. Dabei produzieren wir einen Teil der Lösung längst bei uns vor Ort“, erklärt Silke Weyberg, Geschäftsführerin des LEE NDS/HB. „Biomethan ist speicherbar, flexibel einsetzbar und sofort verfügbar. Das ist echte Versorgungssicherheit made in Niedersachsen.“

Biogasanlagen leisten schon heute einen Beitrag zur Gas- und Wärmeversorgung

Biomethan aus Biogasanlagen entspricht technisch 1:1 fossilem Erdgas und kann ohne Umwege in das bestehende Gasnetz eingespeist werden. Der Erdgasbedarf in Niedersachsen liegt derzeit bei rund 80 Terawattstunden (TWh). Bereits heute speisen 42 Anlagen etwa 1,6 TWh Biomethan ein und decken damit rund zwei Prozent des Bedarfs. Würde die derzeit verstromte Biogasmenge stattdessen zu Biomethan aufbereitet, könnten zusätzlich rund 20 TWh erzeugt werden – ganz ohne neue Anlagen oder zusätzliche Biomasse. Rein rechnerisch ließe sich somit mehr als ein Viertel des niedersächsischen Erdgasbedarfs aus bestehenden Kapazitäten decken.

Gleichzeitig betont der LEE NDS/HB: Eine vollständige Umstellung wäre weder realistisch noch sinnvoll, denn auch die Verstromung von Biogas ersetzt fossile Energie. Durch Kraft-Wärme-Kopplung werden heute rund 70 Prozent der entstehenden Wärme aus der Verstromung genutzt, was in etwa einem Viertel der gesamten erneuerbaren Wärme im Land entspricht.

„Unsere Anlagen können Strom, Wärme und Gas liefern. Genau diese Flexibilität macht Biogas einer wichtigen strategischen Reserve in unserem Energiesystem“, so Weyberg. „Dabei reden wir nicht über Zukunftsmusik, sondern über Potenziale, die heute schon verfügbar sind.“

Branche fordert verlässliche Rahmenbedingungen und langfristige Perspektiven

Um dieses Potenzial voll ausschöpfen zu können, sind aus Sicht des LEE NDS/HB klare politische Leitplanken notwendig. Bei der Reform des Gebäudemodernisierungsgesetzes sollte daher am Ziel festgehalten werden, dass neue Heizungsanlagen mindestens 65 Prozent der bereitgestellten Wärme durch Erneuerbare Energien oder unvermeidbare Abwärme erzeugen müssen. Über die Gasnetzzugangsverordnung muss zudem ein gesicherter Zugang für die Biomethaneinspeisung gewährleistet werden. Eine Grüngasquote kann zusätzlich dafür sorgen, dass der Anteil klimaneutraler Gase im Netz kontinuierlich steigt.

Auch auf europäischer Ebene ist die Richtung vorgegeben: Im Rahmen von RePowerEU strebt die Europäische Union bis 2030 eine Biomethanproduktion von 35 Milliarden Kubikmetern an. Deutschland verfügt jedoch bislang über keinen eigenen nationalen Aktionsplan.

„Wer es mit der Versorgungssicherheit ernst meint, darf das Potenzial heimischer erneuerbarer Gase nicht länger unterschätzen. Viele motivierte Betreiber gehen bereits voran und investieren in eine Biomethanaufbereitung oder in eine erhebliche Flexibilisierung ihrer Anlagen“, betont Weyberg. „Wir benötigen allerdings den politischen Rückenwind in Form von klaren Regeln, einem gesicherten Netzzugang und langfristigen Perspektiven. Dann kann Biomethan schnell und verlässlich einen spürbaren Beitrag zu Klimaschutz, Wertschöpfung und Versorgungssicherheit leisten.“

 

Pressekontakt:

Helge Gülzau
Pressesprecher
Landesverband Erneuerbare Energien Niedersachsen/Bremen e.V.
Herrenstraße 6 | 30159 Hannover
Tel.: 0511 – 123247-12
Mobil: +49 (0) 151 18065007
h.guelzau@lee-nds-hb.de | www.lee-nds-hb.de

Teile diesen Beitrag!