Netzpaket droht Energiewende abzuwürgen: Branche warnt vor negativen Folgen für den Wirtschaftsstandort Deutschland

Netzpaket droht Energiewende abzuwürgen: Branche warnt vor negativen Folgen für den Wirtschaftsstandort Deutschland

25.02.2026

Hannover, 25.02.2026 – Der Landesverband Erneuerbare Energien Niedersachsen/Bremen e. V. (LEE NDS/HB) kritisiert den aus dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) durchgestochenen Entwurf für ein sogenanntes Netzpaket. Zwar erkennt der Branchenverband die Herausforderungen bei der Systemintegration der Erneuerbaren Energien und dem Netzausbau an. Die vorgesehenen Regelungen würden das eigentliche Problem aber nicht lösen, sondern stattdessen den Ausbau der Erneuerbaren Energien und die Transformation des Energiesystems gefährden – mit schwerwiegenden Folgen für den Wirtschaftsstandort Deutschland.

„Dieses Netzpaket wäre kein Fortschritt, sondern ein Rückschritt. Statt den dringend notwendigen Ausbau der Netzinfrastruktur zu stärken, baut die Bundesregierung neue Hürden für die Erneuerbaren Energien auf. Wer so vorgeht, würgt nicht nur eine ganze Branche ab, sondern schadet am Ende dem Wirtschaftsstandort Deutschland insgesamt“, erklärt Bärbel Heidebroek, Vorsitzende des LEE NDS/HB. „Die Erneuerbaren Energien sind mit rund 60 Prozent Anteil am deutschen Strommix längst das Rückgrat des deutschen Energiesystems. Ziel sollte es nun sein, auch beim Netzausbau an Tempo zuzulegen, damit die energieintensive Industrie zügig mit günstiger Energie aus heimischen Quellen versorgt werden kann.“

Erneuerbare brauchen Planungs- und Investitionssicherheit

Besonders kritisch sieht der Branchenverband den im Entwurf des Netzpakets vorgeschlagenen Redispatchvorbehalt, wonach neue Anlagen bei einer Abregelungsquote von durchschnittlich drei Prozent in einem bestimmten Gebiet zukünftig entweder auf ihren Anschluss- und Einspeisevorrang oder aber bis zu zehn Jahre auf Entschädigungen bei einer möglichen Abregelung verzichten sollen. Solche Abregelungen erfolgen jedoch durch die Netzbetreiber zur Stabilisierung des Systems und liegen damit nicht im Einflussbereich der Anlagenbetreiber. Trotzdem sollen dem Papier zufolge künftig ausgerechnet die Erzeuger das wirtschaftliche Risiko tragen. Der Branchenverband lehnt etwaige Überlegungen daher deutlich ab und warnt davor, dass eine solche Regelung die Planungs- und Investitionssicherheit von Projekten der Erneuerbaren Energien zunichtemachen würde.

„Das widerspricht dem Verursacherprinzip und ist auch ökonomisch nicht sinnvoll. Der seit Jahren verschleppte Netzausbau wird nun zum Bremsklotz für die Transformation – und bezahlen sollen es die Erneuerbaren Energien“, warnt Heidebroek. „Wer Entschädigungen streicht, macht Projekte unfinanzierbar. Banken und Investoren brauchen verlässliche Rahmenbedingungen. Ohne Planungssicherheit gibt es keinen Ausbau.“

Wirtschaft braucht liquiden Grünstrommarkt mit wettbewerbsfähigen Preisen

Bedenken gegen das vorgeschlagene Netzpaket bestehen auch auf Seiten der Wirtschaft. „Die Industrie möchte sich weiter transformieren und ist hierfür auf einen liquiden und wachsenden Grünstrommarkt zu wettbewerbsfähigen Preisen angewiesen. Das Bestreben des BMWE, die Redispatchkosten zu senken, ist richtig. Wir befürchten aber, dass der zwingende Verzicht auf den Entschädigungsanspruch in Redispatchfällen bei Neuanschlüssen in ‚kapazitätslimitierten Netzgebieten‘ das Grünstromangebot limitieren wird“, erklärt Prof. Dr. Kai Gent, Geschäftsführer der Mittelstands-Initiative EE-Industrie. „Einem limitierten Angebot folgen steigende Preise. Das Ganze noch verstärkt durch die zusätzliche Kostenlast, die durch die geplante Belastung der EE-Projektierer mit Baukostenzuschüssen entstünde. Das wäre für die Ziele, das Grünstromangebot zu steigern und dessen Kosten zu senken, kontraproduktiv und könnte die Transformation der Industrie spürbar ausbremsen.“

Kooperation statt Schuldzuweisungen: Lösungen liegen auf dem Tisch

Anfang Februar haben der LEE NDS/HB und die Mittelstands-Initiative EE-Industrie gezielt Unternehmen aus der abnehmenden Wirtschaft, Netzbetreiber und Erneuerbare-Energien-Erzeuger zusammengebracht, um konkrete Anknüpfungspunkte für lokale Abnahmekonzepte wie Power Purchase Agreements (PPAs) und Direktversorgungen zu schaffen. Die Teilnehmer betonten, dass die Energiewende nur im Schulterschluss mit allen beteiligten Akteuren gelingen wird. „Die Erneuerbaren Energien zum Problem zu erklären, lenkt von den eigentlichen Aufgaben ab. Was wir jetzt brauchen, ist ein beschleunigter und intelligenter Netzausbau, keine weiteren Bremsklötze“, so Heidebroek. „Anstatt Schuldzuweisungen auszusprechen, wollen wir die Herausforderungen gemeinsam angehen und schlagen konkrete systemische Maßnahmen vor, die die Netze entlasten und gleichzeitig den Ausbau ermöglichen.“

Hierzu gehöre etwa die Überarbeitung des aktuell geltenden Windhundprinzips und eine standardisierte Priorisierung bei der Bearbeitung von Netzanschlussanfragen. Dies sollte nicht, wie im Entwurf des Netzpakets vorgesehen, den über 800 Netzbetreibern individuell überlassen werden, da dies nur zu noch mehr Bürokratie führen würde. Durch die Überbauung von Netzverknüpfungspunkten sollten bestehende Kapazitäten außerdem besser ausgeschöpft werden. Auch eine stärkere Digitalisierung des Netzes sei entscheidend, damit Erneuerbare Energien effizient eingespeist und Flexibilitäten intelligent eingebracht werden können. Letztere müssten in Form von Speichern und Elektrolyseuren gezielt ausgebaut werden, um Netzengpässe in Zukunft abzufedern und Redispatchkosten zu reduzieren. Ein weiterer Ansatz sei die ortsnahe Kopplung von Erzeugung und Verbrauch durch PPAs oder Direktversorgungen, um Transportverluste zu senken und das öffentliche Netz zu entlasten.

Zu diesen und weiteren möglichen Maßnahmen befindet sich der LEE NDS/HB bereits im Austausch mit den regionalen Netzbetreibern, die häufig selbst an Projekten der Erneuerbaren Energien beteiligt sind. „Unser Ziel ist es, gemeinsam tragfähige Lösungsvorschläge zu erarbeiten, um die Transformation des Energiesystems schnell und verlässlich voranzutreiben. Was wir jetzt brauchen, sind stabile und investitionsfreundliche Rahmenbedingungen sowie einen konstruktiven Dialog aller Beteiligten“, erklärt Heidebroek abschließend.

PDF-Download: Bewertung des geleakten Referentenentwurfs zum geplanten Netzausbaupaket des BMWE

 

Pressekontakt:

Helge Gülzau
Pressesprecher
Landesverband Erneuerbare Energien Niedersachsen/Bremen e.V.
Herrenstraße 6 | 30159 Hannover
Tel.: 0511 – 123247-12
Mobil: +49 (0) 151 18065007
h.guelzau@lee-nds-hb.de | www.lee-nds-hb.de

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